Donnerstag, 21. Juli 2011

Im Land der Wikinger 21.07.2011

9. Tag

Nach einem Morgenessen mit einem Kantinenflair, machten wir uns auf die neue Stadt zu erkunden. Null Ahnung von Oslo. Also zur nächsten Sightseeing-Tour. „City Sightseeing Oslo, jede halbe Stunde fährt ein Bus von jeder Haltestelle“. Diesen Spruch hörten wir einige male auf unserer Tour.
Norwegen, das Land der Wickinger gab es schon im Mittelalter. Die Wickinger waren hervorragende Schiffsbauer und Seeleute. Mit ihren Booten befuhren sie die tiefen Fjorde, die stürmischen Meere und gelangten sogar bis Nordamerika. Sie waren ein wildes Volk. Bei Ausgrabungen rund um Oslo wurden 3 Wickingerschiffe gefunden, die als Totenschiffe für verstorbene Könige verwendet wurden. Eine Art Sarkophag wurde auf dem Schiff montiert und so wurde das ganze Boot zur Bestattung im Boden vergraben.
Die Boote, die gefunden wurden und sehr gut erhalten sind, stammen alle aus dem 9 Jahrhundert. Die grosszügigen Grabbeigaben wurden leider in früheren Jahrhunderten von Grabräubern gestohlen. Die wenigen, die gefunden wurden, geben aber trotzdem einen kleinen Einblick in die Lebensweise der Wickinger. Ansonsten gibt es nicht sehr viele Überlieferungen. Es gibt ein interessantes Museum.
Oslo ist die Hauptstadt von Norwegen. Norwegen hat eine konstitutionelle Monarchie, das heisst der König hat vorwiegend Repräsentative Aufgaben zu erledigen. Harald und Sonja wohnen nicht weit vom Regierungssviertel in einem Schloss, erbaut 1848, mit einem grossen Park, der zum Spazieren und Verweilen einlädt. Pünktlich um 13.30 Uhr jeden Tag findet vor dem Palast eine Wachablösung statt.

Oslo wird auch die grüne Stadt genannt. Es hat viele Inseln (40) im Osloer Fjord, die mit Fährschiffen gut zu erreichen sind. Oslo ist mit einer Fläche von 454 km2 einer der grössten Hauptstädte Europas, doch wenig besiedelt (1200 Einwohner pro km2). 600‘000 Einwohner sind in Oslo und rund 1Mio. in Osloregion. Schon bei der Ankunft hat man das Gefühl von Platz und Weite. Keine so engen Gassen mit hohen Häusern, eben irgendwie ländlich geblieben. Die Osloer sind nun dabei ein neues und modernes Quartier aufzubauen, das komplett untertunnelt ist. Also oben praktisch verkehrsfrei.
Im Jahr 1000 wird Oslo gegründet. 1536 wird Norwegen dänische Provinz. 1626 wird Oslo in Christiania umbenannt. 1814 erfolgte die Auflösung der Union mit Dänemark und Norwegen geht eine Union mit Schweden ein.  Unabhängig wurde Norwegen am 17. Mai 1905.  Er wird mit farbenfrohen Kinderumzügen (keine Militärparaden) fröhlich gefeiert. 1925 erhält Oslo ihren Namen zurück.

Alle 4 Jahre finden Wahlen statt. Norwegen hat rund 4,9 Mio. Einwohner, 13 pro km2. Das Rentenalter beträgt 67 Jahre für alle, die Arbeitslosenzahl beträgt 5%, die Zinsen 4%. Jeder Einwohner Norwegens hat Anspruch auf eine Rente. Beide Elternteile haben ein Anrecht auf Mutterschaftsurlaub. Die Bildungs- und Gesundheitskosten werden grösstenteils vom Staat getragen. Im Gegenzug sind die Steuern extrem hoch, die Mehrwertsteuer beträgt alleine 25%. Als die ersten. Als die ersten Ölfirmen Konzessionen zur Förderung von Erdöl beantragten, beschloss der Staat, die Gewinne (24% des Bruttosozialprodukts) ausschliesslich dem Wohle des Volkes zukommen zu lassen und förderte so den Sozialstaat, was einen grossen Wandel herbeiführte. Norwegen ist bekannt für Fisch, Krabben, Lachs und andere Spezialitäten. Norwegen hat 50 Flughäfen. 98% des Stromes wird aus Wasserkraft gewonnen.

Früher waren der grösste Teil der Norweger von der Seefahrt abhängig. Heute arbeitet 70% der Bevölkerung im Dienstleistungssektor. Die Staatsreligion ist protestantisch. Die Länge von Norwegen beträgt 1‘750 km, die engste Stelle ist bei Narvik und beträgt gerademal 6 km. Hammerfest ist die nördlichst gelegene Stadt und liegt auf dem 70 Breitengrad. Der Golfstrom beschert Oslo ein recht mildes Klima. Die Temperatur im Sommer kann bis zu 30° steigen, die Wassertemperatur im Fjord bis 20°.
Oslo ist gut an den Süden angebunden. 3 Fährschiffe fahren täglich nach Kiel, Frederikshavn und Kopenhagen. Pro Saison laufen150  innereuropäische Kreuzfahrtschiffe Oslo an. Oslo konnte schon dreimal olympische Winterspiele durchführen. Die Sprungschanze von Holmenkollen ragt gut sichtbar über die Stadt. 

Seit dem 10.12.1950 werden jedes Jahr im Rathaus von Oslo 5 Nobelpreise verliehen. Alfred Nobel (Erfinder des Dynamits) stiftete sein Vermögen mit der Auflage, jedes Jahr mit dem Erlös des Vermögens 5 Preise zu verleihen für besondere Leistungen (Frieden, Physik, Chemie, Medizin und Literatur). Das Rathaus hat zwei Türme 63 und 66 m hoch mit 49 Glocken. Die grösste davon wiegt 4 Tonnen. Oslo hat auch eine Ice-Bar. Da herrschen konstante -5 Grad Celsius. Den Besuchern werden warme Mäntel und Decken abgegeben.
Eines der bekanntesten Lokale ist das „Grand Cafe“. Der norwegische Schriftsteller Henrik Ibsen (Peer Gynt etc.) verbrachte seine letzten Lebensjahre in Oslo und ass pünktlich um 12.00 Uhr im Grand Cafe sein Mittagessen, man konnte die Uhr nach ihm stellen. Henrik Ibsen lebte von 1828-1906. 

Ein weiterer bekannter Einwohner von Oslo ist Gustaf Viegeland. Er war Bildhauer und Künstler. Alle seine original Formen und Skulpturen stiftete er bei seinem Tod der Stadt Oslo mit der Auflage, dass der Park wo sie stehen 365 Tage im Jahr geöffnet sein soll und kein Eintrittsgeld verlangt werden darf.
Auch Oslo hat seine teuerste Wohngegend. Mit 6‘800 Euro pro m2 Wohnfläche seid ihr dabei. Sie ist sehr schön gelegen, die Strasse ist mit eine sehr schöne Kastanienbaumalle bepflanzt.
Vor Einführung des Protestanismuss glaubten die Norweger an die Nordische Mythologie. Deshalb findet man auf den alten Stabkirchen jeweils ein Kreuz und einen Drachenkopf. Polarforscher (Nansen und Amundsen) traten ihre Forschungsreisen zum Nordpol von der Insel Svaibat aus an (4Flugstunden von Oslo entfernt). Im Volksmuseum (ähnlich wie der Ballenberg) wurden erhaltenswerte Häuser aus ganz Norwegen aufgebaut und so erhalten.
Oslo hat auch ein sehr neues und modernes Opernhaus mit verschiedenen Sälen.

Der Bahnhof wird zur Zeit Umgebaut, das heisst praktisch keine Züge fahren bis ins Zentrum. Also immer Umsteigen auf Busse. Wenn er fertig ist, etwa Mitte August, wird es ein sehr schöner Bahnhof sein.

Genug für heute

Es grüsst aus dem noch sonnigen Norwegen (morgen solls regnen)
Anna-Maria und Heinz





 Schloss von König Harald und Königin Sonja

Stabkirche


Wikingerschiff



Mittwoch, 20. Juli 2011

Rauch am Horizont und blaues Meer 20.7.2011

8. Tag
Es hat Rauch am Horizont, was sagt der Rauch am Horizont, es hat Rauch am Horizont (Zitat: Lucky Luke). Uns sagt der Rauch am Horizont, dass die Fähre von Larvik am Hafen von Hirsthals am Anlegen ist. Heinz und ich sind früh da und schauen dem Treiben interessiert zu. Die Fähre von Kristiansand ist schon da, das Ausladen der Autos hat begonnen. Es ist unglaublich wie viele Personenwagen, Lastwagen, Wohnmobile, sogar einen Anhänger mit Boot aus dem Heck dieses Riesen herausrollen.
Dasselbe passiert jetzt auch bei unserer Fähre. Nun ist es auch für uns Zeit einzuchecken. Es ist die Fährlinie Color Line. Sie fährt von Hirsthals DK nach Larvik N. Es ist ein Superspeed Schiff, mit einer Länge von 213 m, einer Tonnage von 33‘500 Bruttoregister, eine Reisegeschwindigkeit von 27 Knoten, Platz für 1929 Passagiere, 764 Fahrzeuge und 117 Lastzüge. Die Fähre umfasst 11 Decks.
Das Wetter ist prächtig, herrlicher Sonnenschein, keine grossen Winde, bestes Fährfahrwetter. Kaum am Hafen abgelegt „schiesst“ die Fähre mit 27 Knoten über die Nordsee Richtung Larvik. Es geht ganz flott voran. Die dänische Küste ist bald nicht mehr sichtbar und die norwegische schiebt sich langsam über den Horizont. Doch!!  Eine Durchsage des Kapitäns, dass wir eine Viertelstunde später in Larvik ankommen werden, sie hätten Probleme mit einem Motor und die Geschwindigkeit gedrosselt werde (John Meynard lässt grüssen). Die Geschwindigkeit musste weiter bis auf 12 Knoten gedrosselt werden, was uns eine Verspätung von rund 1 Stunde bescherte. Unser Zug nach Oslo war natürlich schon unterwegs und der Haven ist 2,5 km vom Bahnhof entfernt. Um diese Zeit fährt der Zug nur noch alle 2 Stunden. Also hatten wir genügend Zeit auf dem Bänklein vor dem Bahnhof aufs Meer hinauszuschauen und ein Sandwich zu essen. Wir waren nicht die Einzigen die den Zug nach Oslo verpasste. Da stand auch ein deutsches Ehepaar mit dem wir ein kleines Schwätzchen hielten.
19.22 Uhr, also 2 Stunden später bestiegen wir den EC nach Oslo. Das 1. Klasse Abteil heisst hier Komfort und ist auch sehr gut ausgestattet. Bei unseren Tischen hatte es Steckdosen, so konnte Heinz sein Natel aufladen und ich konnte an meinem Blog weiterschreiben. Auch dieser Abschnitt gab etwas zu erleben. Einmal mussten wir den Zug verlassen und in den Bus umzusteigen, da das Bahntrasse verschüttet war, und dann kurz vor Oslo mussten wir wieder den Bus nehmen, weil die Strecke bis Oslo im Umbau ist.
Landschaftlich sieht es fast wie bei uns aus. Es hat Weizenfelder, Gras und zum ersten Mal seit 8 Tagen haben wir auch ein grosses Feld mit Salat gesehen. Die Strecke von Larvik nach Oslo führt uns durch viele Wälder und Wäldchen. Was mir auffiel, nebst den vielen Tannen gibt es auch sehr viele Birken. Was bei uns ein Zierbaum ist, ist offenbar hier ein Waldbaum. Ich finde das schön. Die weissen Birkenstämme inmitten der Tannenbäume.
Wo in Deutschland und Dänemark die Häuser noch mit Klinkersteinen gebaut wurden, findet man hier die meisten aus Holz. Holzhäuser wie getäfert und in bunten Farben bemalt. Die weiss, gelb, oker, blau, grün und rot bemalten Häuser haben die meisten eine weissbemalte Stirnumrandung und auch die Fenster sind meistens weiss. Das gibt dem Haus ein kontrastreiches Aussehen (wie im Europa-Park Rust , Skandinavien). Die Häuser sehen ein wenig aus wie früher unsere alten Badeanstalten.
Optisch haben die hier lange Tage. Heute morgen als ich erwachte war es schon Tag hell und die Sonne schien. Meine Uhr sagte mir aber es war erst 5 Uhr morgens. Jetzt in Oslo im Hotel angekommen ist es schon 22.30 Uhr und noch hell wie bei uns zu Hause um 8 Uhr. Mitternacht: endlich ist es dunkel, doch nicht für lange.
Gute Nacht









Klein aber fein 19.07.2011

7. Tag
Hamburg Bahnsteig 11a. Ja wo ist denn unser Eurocity? Ah, da steht er ja, ganze 3 Waggons lang. 1. Klasse ist vorhanden, gut bestückt mit heissem Wasser, Kaffee und was dazugehörte. Stromabnehmer gab es keine, der Zug fährt mit Diesel. Von Fredericia DK an gab es keine Fahrleitungen mehr. Dem Betrachter bietet sich ein ganz anderes Bild als bei uns zu Hause, wo überall Fahrleitungen herumhängen. Wenn das Bahntrasse nicht zu sehen wäre, könnte man hier gar nicht vermuten, dass da auch Züge verkehren.  
Pünktlich 9.30 Uhr fährt der Zug von Hamburg HB ab Richtung Aarhus DK, unser nächster Umsteigebahnhof. Der Zug ist wie gesagt so kurz, dass es keinen Speisewagen hat. Doch es gab heisses Wasser und ich konnte meinen Tauchsieder gleich einmal ausprobieren. So konnte ich um die Mittagszeit ein Quicksüppli für uns machen und das beim Morgenessen gemachte Butterbrot dazu essen. Selbst mein 3poliger Wechselstecker hat den Test bestanden.
In Rendsburg überquerten wir eine Eisenbahnhochbrücke als Stahlkonstruktion. Auch hier gab es einige Windkraftanlagen und auf etlichen Dächern fand man Photovoltaikanlagen. Landschaftlich unterschied sich die Gegend nicht so sehr von unserer. Sie war nur weniger besiedelt. Die Äcker wurden nicht so schön gepflegt wie unsere. Kein Gemüsebau, vor allem Ackerbau mit Getreide und Viehwirtschaft war zu sehen. Bahnhöfe, auch grösserer Städte, nach Aarhus waren recht bescheiden. Die Dänen sind eindeutig keine Zugfahrernation wie wir. Es gibt hier oben schon Fjorde, einen überquerten wir in Veijle.
Von Aarhus nach Aarlborg bestiegen wir den Regioexpress (keine 1. Klasse, dafür hatte ich Zeit zu schreiben). Genauso von Aarlborg nach Hjorring. Von Hjorring nach Hirtshals fährt ein schöner neuer blauer Privatzug.
Unser heutiges Ziel Hirtshals ist direkt am Meer gelegen mit einem sehr grossen Fährhafen und einem Leuchtturm. Die Fährlinie die uns morgen nach Larvik bringen wird, ist die Color Line. Von hier fährt sie auch nach Kristiansand.
Die Tickets für die Überfahrt haben wir uns schon besorgt. Ein kleiner Bummel durch Hirtshals, ein gutes Abendessen und ab geht’s zurück ins Hotel.
Gute Nacht bis morgen

Wie Omas Sofa

Versucht einmal ein Ticket zu lösen, wenn man nichts lesen kann



Montag, 18. Juli 2011

Mit Volldampf voraus 18.7.2011

6. Tag

Abfahrt Hamburg 7.44 Uhr, fahrplanmässige Ankunft in Binz 11.28 Uhr, effektive Ankunftszeit 12.11 Uhr. Zwischen Strahlsund und Bergen ist ein Baum auf eine Fahrleitung gestürzt, der musste zuerst gefällt werden. In Binz auf der Insel Rügen angekommen, erwartete uns wunderschönes Sommerwetter. Es hatte zwar Wolken und ordentlich Wind, doch die Sonne wärmte sehr stark.

Vom Bahnhof direkt ins kühle, oh pardon, eiskalte Wasser der Ostsee. Der Strand von Binz ist wunderschön und es hatte auch nicht so viele Leute. Badeferien an der Ostsee ist nur etwas für Hardcorer. Wir haben es gemacht, muss aber nicht öfter sein.

Der eigentliche Grund nach Rügen zu fahren war aber nicht das Baden, sondern der „rasende Roland“. Der rasende Roland ist ein altes Dampfross und fährt im 2 Stundentakt von Göhren nach Lauterbach. Die Schmalspureisenbahn verbindet bereits seit 1895 die Seebäder im Südosten Rügens miteinander. Die Spurbreite der Bahn ist noch enger als unsere aber mit normalspurigen Schienen versehen. Diese Kombination verleiht dem Gleis ein eigentümliches und klobiges Aussehen.
Vor Abfahrt assen wir im Restaurant Rasender Roland noch einen kleinen Imbiss. Heinz ass eine Currywurst und ich eine Frikadelle mit Kartoffelsalat. Das Ambiente entsprach der Einrichtung der 2. Klasse (mit Polsterbänken) und 3. Klasse (Holzklasse) eines alten Eisenbahnwagens.
Mit Schnauben und schwarzem Rauch kamen gleich aus 2 Richtungen Dampfzüge angerollt. Binz ist ein Kreuzungsbahnhof und liegt etwa in der Mitte der ganzen Strecke. Die ganze Fahrt hatten wir zwischen den Waggons auf der Plattform verbracht. Wir liessen uns den Fahrtwind und den schwarzen Rauch um den Kopf wehen (manchmal knistert es ein bisschen zwischen den Zähnen). Der rasende Roland schlängelt sich mit rund 40-50 km/h durch die Naturschutzlandschaft, vorbei an Bauernhöfen und Haltestationen. An Steigungen verlor er rasch an Geschwindigkeit. Am Kulminationspunkt angekommen ging es mit flotter Fahrt weiter. Echte alte Eisenbahn Romantik eben.
Ich kann mir vorstellen, dass es in der damaligen Zeit weniger vergnüglich war zu Reisen. Auf harten Bänken stunden- und tagelang durch die Landschaft zu fahren um sein Reiseziel zu erreichen. Es konnte nicht jeder so Reisen wie es Hercule Poirot und Agatha Christie getan haben.
Leider war das Vergnügen nur kurz, nach einer halben Stunde war die Fahrt vorbei und wir waren in Putbus angekommen.
Von Putbus bis Bergen gibt es keine 1. Klasse, dafür einen Schwaz mit dem Lockführer, ein echter Ossi. Von Bergen ging es in 4 stündiger Fahrt wieder zurück nach Hamburg. So endet unser Ausflug auf die Ostseeinsel Rügen.
Morgen geht’s weiter mit dem Zug bis nach Hirtshals DK.
Gute Nacht und bis bald.







 

Sonntag, 17. Juli 2011

Hamburg für Eilige 17.7.2011

5. Tag
Das Frühstück gabs gleich vor der Zimmertür, also praktisch im Bett. Nachdem wir den weiteren Verlauf der Reise festgelegt hatten musste ich mich an mein Netbook setzten und die Bahn- und Schiffsverbindungen heraussuchen und die 2 nächsten Übernachtungsmöglichkeiten buchen.
Am Nachmittag machten wir eine Rundfahrt durch Hamburg, nach dem Motto Hamburg für Eilige. Am Bahnhof bestiegen wir einen leeren Doppelstockbus, setzten uns im oberen Teil ganz nach vorne mit freier Sicht auf die Strasse. Wir hatten den Bus bis zum 1. Halt (ca. 1h) für uns ganz alleine.
Unsere charmante und äusserst kundige Reiseleiterin erzählte uns viel Wissenswertes über ihre geliebte Stadt (scheint eine waschechte Hanseatin zu sein). Mit ihrer witzigen Art teilte sie uns aber auch viel Pikantes und lustiges über Ihre Stadt mit.
Wusstet ihr zB, dass Hamburg mehr Brücken (rund 3‘000) hat als Amsterdam, London und  ……? (die 3 Stadt habe ich vergessen), zusammen. Zu früherer Zeit gab es mehrere 100 Brauereien in Hamburg. Im 17. Jahrhundert gab es noch keine Kanalisation. Alles Schmutzwasser floss in die Alster , wo auch das Wasser für die Bierbrauerei entnommen wurde. Gebraut wurde immer am Mittwoch, so wurde am Dienstag die Parole herausgegeben: „Morgen Brautag, nicht in die Alster schiiten“. Das Bier im 17. Jahrhundert war, wegen seines würzigen Geschmackes, allseits sehr beliebt.
Pfeffersäcke wurden früher die Kaufleute, die mit Gewürzen zu Reichtum gekommen sind, genannt. Heute ist es ein gängiger Ausdruck für die Reichen dieser Stadt. Von denen gibt es viele bekannte aus Politik und Showbiz in Hamburg. Auch Udo Lindenberg wohnte seit Jahren, bis vor kurzem, im Hotel Atlantic. An der Alster zu wohnen ist teuer, kostet der Quadratmeter locker zwischen 5‘000 und 15‘000 Euro. Eine nur 100qm Wohnung wird es ja doch nicht sein. Es sollte auch Platz für die Haustiere der VIP’s sein. Für den Jaguar die Garage, den Nerz, die Kroko-Tasche und den Fuchs den begehbaren Kleiderschrank.
Die Zürcher Bahnhofstrasse von Hamburg ist der Jungfernstieg, teuer, teurer am teuersten. Einkaufen bis die Karte brennt, nach dem Motto „chic, Check, Schock (schicke Kleider, mit Check bezahlen, einen geschockten Ehemann wenn die Rechnung kommt).
Hamburg ist sehr grün, es gibt 4,7 Bäume auf einen Einwohner.
Einer der berüchtigsten Einwohner von Hamburg war der Pirat Klaas Störtebeker. Er wurde 1401 geköpfte. Seine Mitpiraten wurden nebeneinander aufgereiht und es sollten so viele vor dem Henker verschont bleiben, wie Störtebeker nach dem Köpfen ohne Kopf noch gehen konnte. Er schaffte 11 Stück. Gemäss Überlieferung sind die Nachkommen dieser 11 überlebenden Piraten heute alle im Finanzamt tätig.
Der heiligste Teil von Hamburg ist St. Pauli. Dorthin wurden alle Randständigen, ärmere Bevölkerung, Prostituierten ausgesiedelt. Die berühmteste Strasse in St. Pauli ist die Reeperbahn, mit der grossen Freiheit (Hans Albers) und der bekanntesten Polizeiwache von Deutschland, die Davidswache. Die Reeperbahn ist die sündigste Meile von Hamburg. Hier wurden die Beatles berühmt und ein Hamburger Friseur verpasste ihnen die legendäre Pilzfrisur (Pilzköpfe). Die zahlreichen Strassenarbeiterinnen (auch Bordsteinschwalben genannt) gehen auch hier langsam, um schnell ans Ziel zu kommen.
Die Speicherstadt hat heute nicht mehr die Bedeutung wie einst. Heute werden in den Gebäuden fast nur noch Orientteppich gelagert und umgeschlagen (Werte von rund 1 Milliarde). Viele der Gebäude werden jetzt anderweitig genutzt. Es haben zahlreiche Museen ihre Heimat dort gefunden. Auch die Weltgrösste Modelleisenbahn-Anlage ist dort beheimatet (habe gestern darüber geschrieben).
Im 17. Jahrhundert war der Walfang sehr populär und Walfischfett gab es in grossen Mengen. So wurden zur Beleuchtung der Stadt überall Tranlampen aufgestellt und betrieben. Der Bahnhof von Hamburg wurde 1906 fertiggestellt und feierlich dem öffentlichen Verkehr übergeben.
Nach der Stadtführung sind wir mit dem ÖV quer durch Hamburg gefahren. Haltestelle Reeperbahn ausgestiegen und über dieselbe geschlendert. Am Spielbudenplatz 3, in St. Pauli, besuchten wir das Panoptikum (Wachsfigurenkabinett), klein aber fein. Nebst lokalen Persönlichkeiten (Hans Albers, Heinz Rühmann, Peter Alexander, Freddy Quinn) gab‘s auch geschichtsträchtige Figuren aus Politik (Merkel, Obama, Hitler, die Geschwister Scholl, Lenin, Stahlin, Heinrich VIII, der alte Fritz, Churchill etc.) sowie einige Prominenz aus Sport und Showbiz (Michael Schumacher, Max Schmeling, Herbert Grönemeier, Inge Meisel, die Beatles, Michael Jackson, Madonna, Göthe, Schiller, Wagner, Einstein und einige mehr). Als Maskenbildnerin interessiert mich die Machart und die Kleidung besonders.
Viel sehen und viel Schreiben macht Hunger.
Bis bald. Morgen ist ein Ausflug nach Rügen geplant.
Es grüsst
Anna-Maria und ihre bessere Hälfte





Züge bis die Signale rauchen 16.7.2011

4. Tag

Zuerst rauchte gar nichts. Um 10.10 Uhr sollte die blaugelbe Metronom von Cuxhaven nach Hamburg fahren. Ja sollte: Streik, Streik, Streik. Wir haben es ja nicht eilig, mussten keinen Anschluss erreichen, denn Hamburg war unser Tagesziel. Als Zugersatz fuhr ein Expressbus bis nach Stade, wo wir die S-Bahn nach Hamburg. Die Fahrt von Cuxhaven war recht kurzweilig, entpuppte sich doch unser Buschauffeur als kleiner Reiseführer (ob das wohl gestattet wäre?). 

Mit rund 2 stündiger Verspätung trafen wir in Hamburg ein. Unser Hotel hatte die perfekte Lage, zum Hamburger Bahnhof hinaus über die Strasse auf der anderen Seite in unser Hotel hinein. Hotel Phönix an der Kirchenalle, im 2. Stock ohne Lift und viel Gepäck. Doch es ist gemütlich und gleich nebenan gibt es ein gutes und preiswertes Chinesenrestaurant.

Unser eigentliches Ziel lag in der Speicherstadt. Die grösste Modelleisenbahn-Anlage der Welt mussten wir gesehen haben. In einem schönen alten Backsteingebäude (bevorzugte Bauweise im älteren Hamburg) befindet sich laut Guinessbuch der Welt, die grösste zusammenhängende Modelleisenbahnanlage der Welt. Es stimmt. Die Anlage ist so gross, man weiss gar nicht wo man anfangen soll zu schauen. 

Vorab einige technische Eckdaten um die Dimensionen zu verstehen. Die Anlage umfasst eine Ausstellungsfläche von über 4‘000 m2 und die 820 Züge werden von 40 Computern gesteuert. Alle 15 Minuten wird es Nacht und die wird von 300‘000 Lichtern erleuchtet. Es gibt fahrende Autos und fliegende Flugzeuge. Die Anlage wird von 200‘000 Figürchen bevölkert. Das ganze wurde in über 500‘000 Arbeitsstunden aufgebaut.

Im Skandinavienabschnitt gibt es 30'000 l echtes Wasser. Es fahren Schiffe duch eine zauberhafte Eislandschaft mit vielen kleinen Details.

Die Anlage ist einzelne Abschnitte aufgeteilt: Mitteldeutschland, Österreich, Skandinavien, USA, Hamburg, die Schweiz mit den Alpen und als neueste Attraktion der Flughafen Knuffingen (wurde demjenigen von Hamburg nachempfunden).

Nebst den unterschiedlichen, den jeweiligen Regionen entsprechenden Zugskompositionen wird die Landschaft mit vielen und ich sage wirklich vielen Szenen aus dem täglichen Leben nachgestellt. Es gibt Nacktwanderer in den österreichischen Alp (dem amerikanischen Nacktfotokünstler nachempfunden , Expo 02), erotische Szenen in Wald und Flur, Streitereien, Unfälle, Todesfälle im Fluss, hektische Szenen auf Bahnhöfen, gemütliche Ferienidylle, Feld-, Bau- und sonstige Arbeiten. Es ist unendlich, die Züge sind mit Menschen besetzt, ebenso die Busse und Autos. Feuerwehr und Polizei blinken heftig.
Es nimmt kein Ende. Wir haben über 5 Stunden in diesem Wunderland verbracht, inklusiv einer Führung hinter die Kulissen.

Am meisten Zeit haben wir in der Schweiz verbracht. Die Ausstellung erstreckt sich über 250 m2, es hat rund 3‘000m Geleise. Darauf fahren 180 Züge mit 3‘500 Waggons. 300 Signale und 600 Weichen werden von 7 Computern gesteuert. In 150‘000 Arbeitsstunden wurden 45‘000 Lichter , 700 Häuser und Brücken, 50‘000 Figürchen, 1‘000 Autos und 50‘000 Bäume verbaut. Eine der grössten Massenszenen ist das DJ Bobo Konzert mit ca. 21‘000 Figuren.

Diese Ausstellung ist der helle Wahnsinn. Und die bauen weiter. Als nächstes ist Italien geplant. www.miniatur-wunderland.de













Freitag, 15. Juli 2011

Wattfahrt nach Neuwerk 15.7.2011

3. Tag
Ohhh…., das Meer ist weg. 07.45 Uhr treffen Heinz und ich in Sahlengrund zur Wattwagenfahrt ein. Also ist es gut, dass das Meer nicht mehr da ist, denn wir wollen ja zur Naturschutzinsel Neuwerk (gehört zur Stadt Hamburg) nicht schwimmen, sondern mit dem Wattenwagen, ein hochrädriges Gefährt mit Zweiergespann auf die Insel fahren. Es regnet nicht, zaghaft versucht sich sogar die Sonne durchzusetzen. Die kühle Witterung wäre nicht so schlimm, denn wir sind gut angezogen und erhalten auch noch eine Decke für die Knie. Was zusetzt, ist der beissende Wind der herrscht, der kühlt dir den ganzen Kopf.
Dafür kriegen wir ein einmaliges Erlebnis geboten, eine richtig coole Fahrt (kannst du auch wörtlich nehmen). Wo in 6 Stunden wieder eine Wassertiefe von 2.80m herrscht, fahren wir mit den hochrädrigen Wagen über den Meeresgrund, das Wattenmeer. Das Wasser ist immer noch „ablandig“, also es läuft immer noch vom Land weg. Die Fahrt dauerte rund 1h über das Watt, quer durch Wasserläufe (sog. Prielen) und kleine Seen. Im Wattenmeer kann die Natur die Landschaft noch frei Formen. Auch kreuzen wir die Wassersports-Bootsverbindung zwischen Weeser und Elbe. Der Verlauf ist mit langen Pfählen mit Reisigbüscheln, die bei Hochwasser wie Reisigbesen auf der Wasseroberfläche stehen.
Schön länger unterwegs sind die Wattwanderer. Die meisten barfuss und hochgekrempelten Hosenbeinen. Jacken und Kapuzen hoch geschlossen. Die Strecke ist 10km lang. Zu Fuss braucht man 2,5 – 3h, mit dem Wattwagen ca. 1h, und wenn man mit dem Schiff von Cuxhaven nach Neuwerk  (30km) fährt, ist man1,5 - 2h unterwegs. Die Tide (Ebbe und Flut) wechselt alle 6h12min. Das heisst zweimal am Tag legen die Kräfte der Gezeiten den Meeresboden auf einer breite von bis zu 20km frei, mit der Flut verschlingt der „Blanke Hans“ wie die Küstenbewohner die Nordsee nennen, die amphibische Landschaft wieder, um sie nach rund 6h wieder freizugeben. Das Wattenmeer ist somit in der Regel zweimal pro Tag befahrbar. Diese Fahrzeiten ändern sich aber täglich, da sich die Tide pro Tag um 48min verschiebt.
Begrüsst werden wir auf der Insel mit einem freundlichen Moin, Moin.
Die Insel ist 3 Quadratkilometer gross, hat zurzeit 36 Einwohner, 2 Schüler und einen Lehrer (also die kleinste Schule in Deutschland). Es gibt einen 45m hohen Leuchtturm mit einer 138-stufigen Treppe. Die Einwohner leben vom Tourismus und der Landwirtschaft.
Neuwerk ist eine Vogelschutzinsel. Im Frühling rasten hier rund 6‘000 Ringel- und Nonnengänse um sich im Wattenmeer für den Weiterflug vollzufressen. Um Neuwerk sind zahlreiche Seehunde zu Hause. Wenn man Glück hat, hatten wir nicht, kann man manchmal auch Schweinswale sehen, eine vom Aussterben bedrohte Walart. Im 16. Jahrhundert wurde in mühevoller Handarbeit der Ringdeich Neuwerks errichtet. Von 1300 bis 1310 errichteten die Hamburger einen mächtigen Wehrtum, gebaut im Stil eines normannischen Turmhauses auf der Insel, also eine vorgeschobenen Bastion der Stadt Hamburg. 1644 wurde die gefährliche Elbeinfahrt chiffe sich auf Neuwerk durch ein offenes Kohlenfeuer für die Schiffe sicherer gemacht. Seit 1814 trägt der mächtige Turm eine Leuchtfeuer für die Elbschiffe.
Das Wattenmeer erstreckt sich von der dänischen Nordseeküste bei Blavand bis zur niederländischen Stadt Den Helder, über 450 km, eine weltweit einzigartige Naturlandschaft.
Zwar nicht John Meynard und auch kein Brand an Board hatte unser Kapitän zu meistern, doch eine stürmische, aufgewühlte See erwartete uns auf der Überfahrt nach Cuxhaven. Auch ohne Alkohol schwankte das Schiff recht stark. Ein richtiges Seefahrerfeeling. Mit einer Erbsensuppe mit Bockwurst „Wiener“ stärkten wir uns während der Überfahrt. Nahrhaft und sehr gut.
Zurück in Cuxhaven ist es sau kalt, 15°, regnerisch und windig.